IFC - Quo vadis?

Ich habe mich lange Zeit ehrenamtlich engagiert, bevor ich wegen einer akuten Erkrankung von meinen Ämtern dort zurücktreten musste. Deshalb ist der IFC für mich nicht nur irgendeine Fortbildung-Veranstaltung, sondern so etwas wie ein Fundraising-Familientreffen. Nach einigen Jahren Pause, muss ich sagen, dass sich die Familie und aus das Treffen nicht nur zum positiven verändert hat.

 

Natürlich war es schön den einen oder anderen alten Freund und Kollegen zu treffen, aber der Kongress spiegelte für mich auch eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung wider: nämlich den Fokus für den Kern einer Sache zu verlieren. Sich mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen und nicht mit den eigentlichen Aufgaben. Das ist bestimmt harter Tobak und es sträubt sich in mir auch alles, diese Kritik auszusprechen. Aber es ist das was ich in diesem Jahr empfunden habe.

 

Der IFC war schon immer auch eine Motivationsveranstaltung. Nach drei oder vier Tagen in Noordwijkerhout war man immer schon für einige Wochen mit positiver Energie aufgeladen und konnte frisch ans Werk gehen, um die für uns Fundraiser so wichtigen letzten Wochen im Jahr erfolgreich zu bestehen. Es gab aber immer auch die How-to-Workshops, in denen, gerade für Anfänger und Wechsler zwischen den Fundraisingdisziplinen, Schritt für Schritt erklärt wurde, wie man die Aufgaben im Alltag bewältigt. Fundraising besteht ja eben auch zu 90% aus Schweiß und nur zu 10% aus Inspiration. Ich n diesem Jahr hatte ich aber das Gefühl, dass die Sessions 90% inspirationsorientiert waren. 

 

Das wichtigste Instrument, das den meisten Organisationen 60 oder mehr Prozent ihrer Einnahmen sichert, ist praktisch nicht vorgekommen und wurde nur am Rande und in anderen Zusammenhängen erwähnt - Direct Mail. 

 

Wenn man dann noch davon ausgehen kann, dass ein großer Teil der Delegierten relativ junge Menschen waren, die eher als dSpeakers, akligital orientiert sozialisiert anzusehen sind, stellt sich die Frage, wie diese jungen Menschen das Grundhandwerkszeug lernen sollen? 

 

Ebenfalls auffällig war, dass das schnöde Ziel Geld zu generieren ein wenig aus dem Fokus gerückt ist. Der alte Kämpe und "Mr Fundraising himself" hat das in dem Vortrag "The Neuroscience within Philanthropy" auf den Punkt gebracht: am Ende des Tages geht darum wieviel Geld man für die Organisation generiert. In Schönheit zu sterben ist nicht die Aufgabe des Fundraising. 

 

Irritierend fand ich die spontane und ungewollte Missfallensäußerung eines Speakers, als er die Frage stellte, wer denn alles im Raum Fundraiser sei! The "F" in IFC stands for Fundraising, stupid!

 

Wenn der IFC die weltweit wichtigste Fortbildungsveranstaltung im Fundraising bleiben möchte, dann muss sie wieder zurück zu den Wurzeln und jungen Menschen dabei helfen den super schönen Beruf des Fundraisers gründlich zu erlernen. In der jetzigen Form ist es eher eine "We're all inspired Party". 

 

Sinnbild für diese Entwicklung stand für mich der Titel einer Session:

 

"Making waves without drowning"